Chronik des TV 07 Gochsheim


1907 - 1957



Am 27. Januar 1907 wurde der Turnverein Gochsheim von dem ehrenwerten Schneider-meister Gottlieb Müller gegründet. Weitere Gründungsmitglieder waren Julius Kessler, Robert Dorn, Wilhelm Auch, Ludwig Bratzel, Fritz Knötzele und Max Schuler. Zu diesen 7 Gründungsmitgliedern gesellten sich ein paar Tage später; Jakob Strohecker, Dr. Alfred Leitz und Fritz Sämann.

Die Idee dazu reifte bei Gottlieb Müller in seinen Lehr- u. Gesellenjahren. Während seiner Lehrzeit in Durlach konnte er die dort stationierten Soldaten beim Turnen beobachten. Die Gesellenjahre verbrachte Gottlieb Müller in Zürich. Dort turnte er selbst beim Deutschen Turnverein mit. Nach seiner Rückkehr in die Heimat, ging er sofort daran einen ortsansäs-sigen Turnverein zu gründen. Später hat er einmal berichtet, wie schwierig die Anfangszei-ten waren, da vor allem die Älteren kein Verständnis für die Turnsache aufbrachten. Doch man setzte sich durch, da daß Turnen im Trend der Zeit lag. Es wurden damals sehr viele Turnvereine gegründet.

Im Gründungsjahr 1907 war der Turnverein auf 20 Mitglieder angewachsen. Der junge Verein besuchte 1913 das Gauturnfest mit 12 Turnern. Damaliger Turnwart war Max Schuler. In der Folgezeit wurden dann mehrere Wettkämpfe und Turnfeste besucht. Dem Einsatz und dem Idealismus der Gründer war das Vorhandensein eines regen Turnbetriebes zu verdanken.

Schneidermeister Müller war von der Gründung 1907 bis zum Jahr 1934 erster Vorsitzen-der und wurde 1934 zum Ehrenvorstand ernannt.

Mit Beginn des 1. Weltkrieges ging der Turnverein einer schicksalsschweren Zeit entgegen.

Das Turntrikot wurde gegen die Soldatenuniform getauscht. Drei junge Turner, Heinrich Bimmler, Heinrich Dörr und Hermann Schuler sind in diesem Krieg gefallen. Im Jahr 1919 nahmen die von der Front heimgekehrten Turner den Turnbetrieb wieder auf.

Nach 20 jährigem Bestehen des Vereins, erfolgte am 15. Mai 1927 die Fahnenweihe. Die Fahne, die im Jahre 1990 restauriert wurde, trägt die Aufschrift:

" Gesunder Körper, gesunder Geist, des Turners Ziel und Streben heißt".



Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Verein ca. 90 aktive Turner und Turnerinnen an.

Um neue Mitglieder zu werben wurden in den 30 er Jahren sogenannte Werbewochen veranstaltet. Wie zum Beispiel vom 27. Mai bis 3. Juni 1934 wurde so eine Werbewoche durchgeführt. Sie bestand aus Staffelläufen durch den Ort und Schauturnen auf dem Turn-platz. Den Abschluß bildete ein Fackelzug durch den Ort mit anschließenden Turnvorfüh-rungen im Saal der Krone.

Im gleichen Jahr 1934, war es dem Verein möglich, dank tatkräftiger Mithilfe der Vereins-mitglieder und großzügiger Spenden eine neue Turnhalle zu bauen. In der Generalver-sammlung von 1934 beschloß der Turnverein: "Zum Turnhallenbau soll eine Spendenliste in Druck gelegt werden um den späteren Generationen zu sagen, was die Turner alles an Geld und Arbeit geleistet haben". Die damalige Gemeinde Gochsheim stellte dazu ein Gelände zur Verfügung, daß sich auf dem Areal der heutigen Sporthalle befand. Da die finanziellen Mittel knapp waren, wurde auf eine elektrische Beleuchtung noch verzichtet, dafür wurden Karbidlampen angebracht.

Am 24. Juni 1934 fand unter großer Anteilnahme der Nachbarvereine und der Bevölkerung die Turnhalleneinweihung statt.

In diesen Jahren war der poltische Einfluß bis in die Vereine zu spüren. Dazu wurde bei einer Turnratssitzung beschlossen, daß zum Wohle der Volksgemeinschaft die Weihnachts-feiern des Turnvereins mit der Ortsgruppe der damaligen Partei abzuhalten sind.

Bei einer Turnratsstizung wurde verkündet, daß sämtliche Turnvereine ab dem 1.1.1936 dem Reichsbund für Leibesübungen angeschlossen sind. Die anfängliche Begeisterung der Turner wich alsbald der Erkenntnis, daß das NS-Regime mit seinen Jugendverbänden dem Verein immer mehr Jugendliche entzog. Dies brachte auch der Appel vom 1. Vorsitzenden, Eugen Dubronner bei einer Turnratssitzung 1937 zum Ausdruck:"Der Verein habe sich unter großen Opfern ein schönes Heim geschaffen, es sei deshalb Pflicht der Turner, daß die Turnhalle auch benutzt werde. Er lege jedem ans Herz seine Pflichten zu erfüllen, nur so werde das Bestehen des Vereins nicht gefährdet".

Am Sonntag, dem 10. Juli 1937 veranstaltete der Turnverein Gochsheim anlässlich seines 30 jährigen Bestehens einen Ehrenabend im Gasthaus zur Krone. Vorher gedachte der Turnverein seinen im 1. Weltkrieg gefallenen Mitgliedern durch Kranzniederlegung vor dem Kriegerdenkmal. Bei diesem Ehrenabend gab der 1. Vorsitzende, Eugen Dubronner einen Rückblick über die vergangenen 30 Jahre. Allen Mitgliedern, die 30 Jahre dem Verein die Treue hielten, wurde die silberne Ehrennadel überbracht. Dem Gründer und langjährigen Vereinsführer Gottlieb Müller wurde für seine treuen Verdienste die Ehrenurkunde als Ehrenvorsitzender über-reicht. Das langjährige Mitglied Max Schuler wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Im September 1937 fanden bei schönem Wetter die Vereinsmeisterschaften vor der neu er-bauten Turnhalle auf dem Turnplatz statt. Hierbei wurden bei den Männern und Frauen, Jungen und Mädchen die Vereinsmeister in den turnerischen sowie in den leichtathletischen Disziplinen ermittelt. Diese hatten gleichzeitig den Zweck, für das anstehende Großereignis, dem deutschen Turnfest in Breslau eine Musterriege dort hinzuschicken. Um möglichst viel Turnern und Turnerinnen die Fahrt ins weit entfernte Breslau zu ermöglichen, legte der Verein eine sogenannte Reisesportkasse an. Im Juli 1938 fuhren der Verein -die Anzahl der Turner und Turnerinnen ist nicht mehr bekannt- zum deutschen Turnfest nach Breslau. Es fehlen einige Seiten dazu im Protokollbuch. Dieses deutsche Turnfest stand schon ganz unter dem Einfluß des NS-Regimes. Dies bekamen auch die Turner am eigenen Leib zu spüren, als sie nur ein Jahr später 1939 ihrer Pflicht nachkommen mussten um den Kriegsdienst anzu-treten. Viele damalige Mitglieder unseres Vereins kehrten aus diesem Krieg nicht mehr in ihre Heimat zurück. Während der Kriegsjahre ruhte der Vereinsbetrieb.

Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde am 8. Juni 1946 eine Wiedergründungsversammlung im Gasthaus zum Bahnhof abgehalten. Hierzu musste man zuerst eine Genehmigung der al-lierten Siegermächte einholen und eine Liste der Personen vorlegen, die den Verein weiter-führen wollen. Die Eröffnungsansprache hielt bei dieser Sitzung Gründer und Ehren-vorsitzender Gottlieb Müller. Enrst Hagenbucher wurde zum 1. Vorsitzenden und Karl Schäfer zum 2. Vorsitzenden gewählt. Nach den Wahlen des Vorstandes und der einzelnen Fachwarte forderte der 1. Vorsitzende die zur Versammlung erschienenen auf, sich als Vereinsmitglieder in eine Liste einzutragen. Alle der 34 erschienenen Personen trugen sich in die Liste ein. Der Turnbetrieb wurde wieder aufgenommen.

Der Turnbetrieb in der 1934 errichteten Turnhalle war zu dieser Zeit nicht möglich, da sie sich durch Noteinquartierungen während und nach dem Krieg in einem schlechten Zustand befand. Es wohnte immer noch eine kinderreiche Familie in der Halle, die den Bretterboden der Turnhalle als Brennmaterial benutzte. Somit mussten sich die Turner mit dem Saal der Krone als Übungsstätte begnügen. Schon vor dem Turnhallenbau wurde dieser Saal als Turnsaal benutzt. Es kam vor, daß sich bis zu 40 Turner im Saal um den Barren, das Reck und das Pauschenpferd drängelten.

Die erste Weihnachtsfeier nach dem Krieg wurde im Dezember 1947 im Saal der Krone abgehalten. Die Brüder Egon und Jobst Dopf zeigten den versammelten Mitgliedern Übungen am Barren mit musikalischer Untermalung. Danach gab es eine Theatervorstel-lung mit einer Spielgruppe der Turner, die auch bei den folgenden Weihnachtsfeiern

des Vereins auftrat. Diese Weihnachtsfeiern hatten Tradition, sie wurden schon in früheren Zeiten abgehalten, meistens am 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag. Auch eine Tradition hatten die Turnfeste, die der Verein an Pfingsten veranstaltete.

Im Jahr 1948 fand zu Pfingsten das erste Turnfest in Gochsheim nach dem Kriege wieder statt. Hierzu Erinnerungen unseres Turnbruders Karl Kemmet: "Vor der Krone war der Festzug aufgestellt. Dabei war die Büchiger Musik mit 7 Mann. Der Festzug ging den Gassbuckel hinauf und beim Lamm der heutigen Metzgerei Martin, wurde angehalten, weil die Musiker schon keine Luft mehr bekamen. Dann marschierten alle hoch bis zur Brücke beim Ernschte Jakob, bis der hiesige Wagner, der Schäfers Karle rief: "Halt! Halt! Alle widda zurick, ihr misst a Ständle spiele, Grone-Werte hat grad Zwilling griegt".



Auch 1948 entstand der Wunsch einiger Mitglieder, eine Fußballabteilung zu gründen. Aus den Reihen des Turnvereins konnte der Sportverein Gochsheim sein Entstehen feiern.

Für das Training und die Spiele stellte der Turnverein dem neu gegründeten Fußballverein seinen Turnplatz zur Verfügung. Dies führte in der Folgezeit immer wieder zu Unstim- migkeiten. Es kam vor, daß die Fußballer ihre Spiele abhalten wollten und die Turner aber schon ihre Turngeräte aufgebaut hatten.

Wie im Protokollbuch berichtet wird, wurde schon im Jahr 1948 erstklassige turnerische Arbeit geleistet. Kein Turnfest wurde versäumt. Höhepunkte in diesem Jahr waren das Kreisturnfest in Karlsdorf und das Mannschaftturnen in Bruchsal. Bei beiden Veranstal-tungen belegten die Gochsheimer Geräteturner den 1. Platz. Oberturnwart Karl Dopf, der später auch 1. Vorstand des Vereins war, formte eine leistungsstarke Riege. Mit den Turnern: Egon Dopf, Jobst Dopf, Heinrich Sitzler, Karl Kemmet, Wilhelm Dubronner, Hans Wilms, Erich Schäfer, Walter Sitzler, Karlheinz Petri u. Fritz Kögel, verfügte der Verein bis Mitte der fünfziger Jahre über eine leistungsstarke Kunstturnriege.



Auch die Leichtathleten waren auf Kreis- u. Landesebene sehr erfolgreich. Badische Wald-laufmeisterin über 800 m wurde im Jahr 1953 die damals 15 jährige Klärle Bolz.

Im gleichen Jahr holte Wilhelm Kögel den Kreismeistertitel über 1500 m.

Der Leichtathletikwart-damals noch Volksturnwart genannt- Richard Gauch belegte mit seinen Wettkämpfern u. a. im Jahr 1955 den 1. Platz beim Ortsstaffellauf in Helmsheim. Es wurde auch regelmäßig an den Waldlaufmeisterschaften die im Frühjahr und im Spätjahr stattfanden, teilgenommen. Im gleichen Jahr 1955 wurde Fritz Kögel Kreismeister über 5000 m.

Größter Erfolg war der 2. Platz der Mannschaft bei den Badischen Waldlaufmeisterschaften 1956 in Karlsruhe.



Neben den Landesturnfesten in Offenburg u. in Freiburg beteiligten sich einige Gochsheimer Turner am Deutschen Turnfest 1953 in Hamburg und 1958 in München.

Beim Deutschen Turnfest in München im Juli 1958 kehrte Egon Dopf als Turnfestsieger

nach Hause. Dazu Erinnerungen unseres Turnbruders Egon Dopf: "Nach meiner Rückkehr von München wurde ich abends von den Turnern und dem Spielmannszug der Feuerwehr von meiner Wohnung abgeholt und wir marschierten durch den Ort zur Kanne.

In der Kanne fand eine Begrüßungsfeier statt, wo ich vom 1. Vorsitzenden Otto Bratzel geehrt wurde. Die ganze Turnerfamilie war beisammen und wir feierten bis in die Nacht hinein".

Neben dem Männerturnen gab es eine Frauenriege unter der Leitung von Mina Schuler.

Auch sie beiteiligten sich erfolgreich an verschiedenen Wettkämpfen.



Im Jahr 1949 wurde in der Turnhalle die lang ersehnte elektrische Lichtanlage installiert.

Der Jahresbeitrag betrug damals für passive u. aktive Mitglieder 3,00 DM, Jugend 2,00 DM und für Schüler 1,20 DM. 1954 erhält die Turnhalle einen Ofen für 30,00 DM. Laufende Instandsetzungsarbeiten am Dach und an der Halle wurden ausgeführt. 1957 wurde der Anbau an der Halle fertiggestellt. Diese Arbeiten wurden hauptsächlich vom 2. Vorstand Hermann Wöhrle durchgeführt. Reinigungsarbeiten wurden von den Turnerinnen übernommen.

Die Halle wird an andere Vereine für Übungsstunden und Festlichkeiten vermietet.



Der TV Gochsheim feierte sein 50 jähriges Jubiläum am 22. und 23. Juni 1957.

Die Feier wurde in der Gemeinde-Dreschhalle abgehalten, Gelände beim heutigen Getränke Roth u. Autohaus Sitzler. Das Festbankett fand samstags Abend unter Mitwirkung des Ge-sangvereins statt. Nach den Vorführungen der Turner und der Turnerinnen des TV und der Kreisriege, fanden Ehrungen verdienter Mitglieder statt. Auch der Gründer des Vereins, Gottlieb Müller wurde geehrt und bekam einen Geschenkkorb.

Im gleichen Jahr wurde Gottlieb Müller 80 Jahre alt.

Im Mai 1960 verstarb Gottlieb Müller im Alter von 83 Jahren.





60 iger Jahre

In den 60 iger Jahren ließ das Interesse am Turnsport merklich nach. Wie im Protokollbuch vermerkt, nahmen keine Aktiven des Vereins am Deutschen Turnfest 1963 in Essen teil. Auch wurden keine Landes- und Gauturnfeste mehr besucht.

Lediglich die Leichtathleten unter der Leitung von Fritz Kögel, Wilhelm Kögel und Erich Seitz konnten über wechselnde Erfolge bei Waldläufen berichten.

Weihnachtsfeiern wurden aber noch regelmäßig im Saal der Krone oder Adler abgehal-ten. Hierzu wurden Theaterstücke von einer Spielergruppe aus Karlsdorf aufgeführt, die sehr beliebt waren und immer ein volles Haus brachten. In den Pausen spielte die Kapelle Dopf mit Musikstücken auf.

Die Turnhalle wurde in den Wintermonaten an dem Sportverein vermietet. Auch fanden Lokalschauen des Kleintierzuchtvereins und Kirchenversammlungen und Kirchenbazare in der Turnhalle statt.

1965 wurde wieder, nach langer Zeit, am Pfingstmontag ein Werbeturnen durchgeführt. Hier ließ Erich Seitz über seine Frau Edith die guten Beziehungen zu den Helmsheimer Turnern spielen, die am Erfolg dieser Veranstaltung beteiligt waren. Der 1. Vorstand Otto Bratzel bemerkte hierzu; das wieder aufgenommene Pfingstmontagsturnen war ein toller Erfolg und dankte dem TV Helmsheim für sein Mitwirken. Ebenso stellte er fest, daß ein Großteil der Gemeinde noch sehr an der Turnerei interessiert ist. Der Besuch war gut, dies sollte in Zukunft regelmäßig stattfinden. Lobend erwähnte er auch die wiedererstandene Schülerabteilung unter Leitung von Karlheinz Petri.

Jedoch hielt dieser Aufwärtstrend in Sachen Turnerei nicht lange an. Im Jahre 1967, damals hatte der Verein 88 Mitglieder, fand aus welchen Gründen auch immer, kein Turnbetrieb mehr statt. In dieser Zeit wurden hitzige Debatten über die Sportplatz-frage geführt. Die Gemeinde plante für den Sportverein einen Sportplatz und sah für den Turnverein eine 100 m Bahn und eine Weitsprunganlage vor. Dies stieß auf heftigen Protest, da man sich von Seiten des Turnvereins eine Rundbahn um den Sportplatz wünschte. Diese wurde aber nicht genehmigt.





70 iger Jahre

Im Juli 1971 wurde, nach reichlicher Debatte im Turnrat, beschlossen, die alte Turnhalle, die 1934 erbaut wurde, abzureißen, um einer neuen Sporthalle Platz zu machen. Die damalige Gemeinde Gochsheim, ließ auf dem Gelände der alten Turnhalle eine neue Sporthalle bauen, die Ende 1972 eingeweiht wurde. Bis dahin fanden keine Übungsstunden statt. Die Leichtathletikgruppe unter der Leitung von Erich Seitz konzentrierte sich auf Freilufttraining. Im Jahr 1972 und den Folgejahren wurden die Frühjahrs- u. der Herbstwaldlaufmeisterschaften im Gochsheimer Herrenwald durchgeführt. Diese Waldläufe wurden zum festen Bestandteil des TVG, die von den Fachwarten Erich Seitz, Frizt Kögel und Wilhelm Kögel organisiert wurden, die selber mit den Jugendlichen des Vereins aktiv daran teilnahmen.

Im Dezember 1972 verstarb ganz unerwartet der 1. Vorstand Otto Bratzel.

Sein Nachfolger wurde Karl Kemmet, der im Januar 1973 zum 1. Vorstand gewählt wurde, 2. Vorstand wurde Hermann Wöhrle jr..

In dieser Zeit erlebte der Turnverein einen erneuten Aufschwung. Das Kinder- Schüler- und Jugendturnen, die Frauengymnastikgruppe und die Jedermanns- bzw. Mittwochs-turner wurden feste Bestandteile des Vereins, die noch heute bestehen.

Im Jahr 1972 kam international der Gekanke des Volkswanderns auf, dem sich der TV im Jahr 1977 anschloß.

Der 1. Internationale Volkswandertag in Gochsheim mit anschließendem Turnfest wurde mit großem Erfolg am 7. August 1977 bei strahlendem Sonnenschein, durchge-führt. 520 Wanderfreunde aus nah und fern, man konnte Gäste aus Kiel und Wuppertal begrüßen, nahmen an dieser Veranstaltung teil. Es gab damals nur eine Wanderstrecke mit 12 km Länge, wo sich die Wanderer vom Reiz des Gochsheimer Stätdchens und der Landschaft beeindrucken lassen konnten. Dies war der Auftakt einer Erfolgsgeschichte für den TV Gochsheim, die jedes Jahr immer mehr Anhänger des Volkswanderns nach Gochsheim zog. Iniatitoren dieser neuen Volkssportart in Gochsheim waren der damalige Leichtathletikwart Erich Seitz und der spätere Vorstand Gerd Eigenmann, der zum Volkswandertwart ernannt wurde.

Diese Veranstaltung, mittlerweile die 30., erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Auch die einzelnen Turnabteilungen waren in dieser Zeit sehr gut besucht. Erich Seitz hatte damals 40 Kinder und Jugendliche unter sich, deshalb war er auf Mithilfe ange-wiesen. Hubert Wilms, Reiner Kemmet und Bernhard Ernst halfen ihm bei dieser Auf-gabe. Neben den Leichtathletikwettkämpfen wurden auch viele Ausflüge und Zeltlager mit den Kindern und Jugendlichen unternommen. Erwähnt seien hier die Zeltlager in Hilsbach und das Zeltlager der bad. Turnerjugend in Breisach, die regelmäßig besucht wurden. Auch hatte sich in dieser Zeit eine Gruppe aus jungen dynamischen Männern gebildet, die den Verein bei Handball- u. Fußballtunieren vertraten. Auch beteiligten sie sich rege an Waldläufen, Volkswandertagen oder unternahmen Ausflüge. Unvergessen sind die Ausflüge nach Oberwössen, Schattwald im Tannheimer Tal und der europ. Wanderweg von Schönwald bis zum Feldberg, die diese Gemeinschaft der Gochsheimer Mittwochsturner noch mehr zusammenschweißte. Dazu ein Eintrag von dem damaligen Schriftführer Helmut Sitzler: Die Aktivitäten der Mittwochsturner und der Wanderab-teilung brachten in den Jahren von 1974 bis 1979 einen Zuwachs von über 70 Mitglie-dern. Der Verein hatte 1979 -225 Mitglieder- davon 51 Frauen, 112 Männer und 62 Kinder.

Bei den Waldlaufkreismeisterschaften 1978 in Gochsheim errangen folgende Teilnehmer den Kreismeistertitel: 1500m : Jasmin Knopf, 4800m: Bernd Weigele (Jugend B), 1400m: Werner Ettner (Schüler B); 800m: Rene´Gelrich (Schüler C).

Beim 2. Volkswandertag, der im November 1978 stattfand, gingen bereits 2500 Wanderer an den Start. Fast 2000 mehr als ein Jahr zuvor. Dies lag daran, daß der TV

dem deutschen Volkssportverband beigetreten war. Das erste mal waren auch amerika-nische Wandergruppen, von den hier stat. Soldaten dabei.

Die Plazierungen richteten sich nach der Teilnehmerzahl der Wanderer. Hier belegte der Sportverein Gochsheim den 1. Platz mit 95 Teilnehmern, 2. Platz; amerikanischer Wanderclub Heidelberg mit 93 Teilnehmern, 3. Platz; Kabel und Draht, Ketsch, 69 Teil-nehmer usw. .

Diese Veranstaltung stellte den Verein vor große organisatorische Aufgaben, die lt. Protokollbucheintrag hervorragend gemeistert wurden. Auch war man und ist man immer noch auf die Mithilfe von Vereinsmitgliedern bei dieser großen Veranstaltung angewiesen.

1979 nahmen 10 Leichtathleten des Vereins am 24 Std.-Lauf in Mörlenbach teil, an dem man auch in den Folgejahren teilnahm.





80/90 iger Jahre bis 2007

Am 19. u. 20. Juni 1982 feierte der Verein sein 75 jähriges Bestehen. Besondere Ehrungen erhielten der langjährige 1. Vorstand und frühere aktive Turner, Karl Kemmet, der zum Ehrenvorstand ernannt wurde. Auch Erich Seitz, der lange Jahre als aktiver Leichtathlet, Leichtathletikwart und Funktionär im Verein tätig war wurde für seine Verdienste geehrt. Es fand Sonntags ein Feldhandballturnier, Vorführungen der Schülerturngruppen, der Jedermannsturner und der Helmsheimer Turner und Turner-innen statt.

Im Dez. 1982 verstarb leider viel zu früh, der vorher geehrte langjährige Leichtathletik-wart Erich Seitz. Seine Gruppe wurde von Bernhard Ernst u. Klaus Weigele weiter-geführt.

In den 80 iger Jahren nahmen die Aktiven an Fußball- u. Tischtennistuniernen, Holzsägewettbewerben und Bierkrugstemmen teil.

Der Volkswandertag wurde inzwischen regelmäßig in der 1. Januarwoche eines jeden Jahres durchgeführt. Das Rekordergbnis lag in diesen Jahren bei 3900 Wanderern. Im Schnitt waren es so ca. 3000 Wanderer. Bei Glatteis und Schnee gingen unter 2000 Wanderer an den Start.

Das Schüler- u. Jugendturnen wurde von Hubert Wilms, Susanne Lindacker und Thomas Ernst geleitet. Bei den Jedermannsturnern bzw. Mittwochsturnen war Walter Dehn Übungsleiter. Für das Kinderturnen war Elke Potrek zuständig, Frauenturnwartin war Carmen Winnai.

Am 11. März 1983 wurde Gerhard Kögel zum 1. Vorsitzenden gewählt und löste somit Gerd Eigenmann ab. 2. Vorsitzender wurde Helmut Hörrle. Zum Volkswanderwart wurde Wilfried Ernst gewählt, der das Amt bis zum heutigen Tag inne hat.

Im Jahr 1987 waren die Leichtathleten unter der Leitung von Klaus Weigele sehr erfolgreich. Für Kreismeistertitel und vordere Plazierungen wurden geehrt: Rene´Gelrich, Gerhard Seitz, Matthias Horn und Frank Eigenmann.

Im Jahr 1988 konnte der Verein neue Übungsleiter fürs Kinderturnen verpflichten. Dies waren die allseits noch bekannten - Monika u. Dieter Menges u. Dorethea Schiek.

Die Frauengymnastikgruppe, unter Leitung von Erika Schmidt, die auf über 20 Frauen angewachsen war, nahmen am Landesturnfest 1989 in Rastatt teil.

In der Generalversammlung 1989 wurden die Leichtathleten - Frank, Thomas u. Thorsten Eigemann - für hervorragende Leistungen in der Leichtathletik vom 1. Vorsitzenden, Gerhard Kögel geehrt. Gleichzeitig bedauerte dieser, daß dem Verein kein Leichtathletiktrainer mehr zur Verfügung steht und mit der Abwanderung dieser guten Leichtathleten zu anderen Vereinen zu rechnen ist.

Am 2. März 1991 wurde Thomas Ernst zum 1. Vorsitzenden gewählt, der bis dato Schriftführer im Verein und bis zum heutigen Tag die Geschicke des Turnvereins leitet.

Auch im Jahr 1991 war die Gründung der 1. Mutter-Kind-Gruppe durch Monika Menges.

1992 trat Übungsleiter Achim Dittrich dem Verein bei und übernahm das Schüler-turnen Jungen und Mädchen gemischt. Die Gruppe zählte am Anfang über 30 Kinder.

Während Dieter Menges für das Geräteturnen der Buben zuständig war, konzentrierte ich mich auf das spielerische Turnen und Leichtathletik. Nun wurden regelmäßig jedes Jahr die Gaukinderturnfeste besucht, Nikolausfeiern abgehalten und am Ferienpro-gramm der Stadt Kraichtal teilgenommen. Leider mußte uns die Familie Menges aus beruflichen Gründen verlassen. Ein Hauptgrund warum viele Übungsleiter ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Verein nicht mehr ausüben können. So war es auch bei Karen Kneis und Tina Wöhrle, die für das Mädchenturnen zuständig waren. 1997 übernahm ich von den beiden die Mädchen und konzentriert mich seitdem auf das weibliche Geräteturnen. Jürgen Specht übernahm das Schülerturnen und später die Mittwochsturner. Im gleichen Jahr feierte der Verein sein 90 jähriges Bestehen.

Es wurden in diesen Jahren bei vielen Wettkämpfen im weibl. Gerätturnen einige Kreismeistertitel errungen. Auch wurden Landeskinderturnfeste in Bretten, Bruchsal und Buchen im Odw. besucht. Auch unsere Damengymnastikgruppen unter der Leitung von Christel Kneis, Erika Schmidt u. Marlene Weigele waren in den letzten Jahrzehnten sehr aktiv und besuchten viele Landesturnfeste, Landesgymnastraden und Turngalas.

Bei 100 Jahren Vereinsgeschichte ist es unmöglich alle Namen zu erwähnen, die sich in aufopfernder Weise um den Verein verdient gemacht haben. Aber zwei Personen möchte ich an dieser Stelle erwähnen, ohne die das Vereinsleben nicht denkbar wäre.

Margot Eigemann, die seit Jahrzehnten das Amt des Vereinsdieners und Vergnügungswart inne hat und bei der Planung und Durchführung sämtlicher Feste und Veranstaltungen unseres Vereins immer tatkräftig dabei ist und mit ihrem Mann Heinrich, der schon seit 1980 Kassier ist - 2 Jahre Unterbrechung; Arno Kern, schaut das die Kasse stimmt.

Auch möchte ich mich bei den Schriftführern bedanken. Ohne ihre Protokolle wäre es mir nicht möglich gewesen 100 Jahre Vereinsgeschichte zu dokumentieren.

Dank auch an Hannelore Reinicke, die mir mit ihrer Chronik zum 90 jährigen Jub. eine gute Vorlage geschaffen hat.